Sonntag, 21. April 2013

Wie presst Bayern den FC Barcelona?

Im Championsleague-Halbfinale trifft der große FC Barcelona gegen den gewachsenen deutschen Rekordmeister.

Barcelona wird mit ihrer Spielphilosophie wohl die makrotaktische Prämisse geben. Sie werden auf ein Ballbesitzplus bauen, von dem aus sie ihren fluiden Ballbesitzfussball aufziehen.
Aber auch Bayern hat in jüngster Vergangenheit letzte Schtitte zum absolut dominanten Team gemacht; besonders das Pressing und das Gegenpressing wurden verbessert. Sie werden sich also kaum mit 20 oder 30% des Balles abgeben, wie manch ein anderer Gegner.
Wie also kann Bayern den FC Barcelona pressen?

Barcelona
Hier schematisch, wie Barca für gewöhnlich aufbaut: Alba pendelt links zwichen Aussenverteidiger und als absichernder halb-linker Part einer Dreierkette mit den Innenverteidigern. Sein Pendant Alves steht viel höher und gibt rechts die Breite, während Villa ins Sturmzentrum gestoßen ist, um den zurückfallenden Messi frei zu blocken. So hat man Xavi, Busquets, Iniesta und Messi im Zentrum, die den Ball zirkulieren lassen können.
Dies gilt es für Bayern zu verhindern.
schematische Darstellung Barcas Spielaufbaus



Bayerns mögliche Reaktionen

Warum das 4-4-2 keinen Sinn macht
Ein (durchgehend) klares 4-4-2 schließe ich von vorne rein aus. Die individuell starken Innenverteidiger (Pique!) würden es wohl umspielen, von wo aus man zu viele Spieler vorm Ball hat, was dazu führt, dass die variable Raute aus Weltklassespielern in der Mitte in doppelter Überzahl zur Doppelsechs steht.

Das 4-4-1-1 - Müller auf der 10?
offene Halbräume für Barca gegen das 4-4-1-1
Mit der Verletzung Toni Kroos hat man vielleicht den entscheidenden Mann fürs Saisonfinale verloren. Er bringt im Pressing enorme defensive Stabilität und ist von Müller eigentlich nie voll zu ersetzen. Außerdem tendiert die Formation mit Müller fast automatisch zum 4-4-2, was oben aufgeführte Probleme verursachen kann.
Möglich wäre ein 4-4-1-1, mit dem man auch gegen Juve presste. Fraglich ist aber, ob Müller rein individuell diese Position ausfülle könnte. Er hat nicht ganz die defensive Intelligenz und Bissigkeit, um dem Tiki-Taka gegen zu halten.
Das Pressing sähe dann ungefähr so aus:



Busquets würde von der 10 in eine Art Manndeckung genommen. Dies wand Mourinho schon in vielen Classicos an; Busquets ist die zentrale Schaltstelle der Ballzirkulation. Hier wäre die Stellung aber auch viel zu flach; die offensive Halbräume sind komplett unbesetzt und könnten durch die vier Zentrumsspieler Barcas gut genutzt werden.

4-3-3 (4-5-1) mit Schweinsteiger - Martinez - Gustavo
Stattdessen könnte Schweinsteiger Müller auf der 10 ersetzen (und diesen nach rechts schieben?). Das ergäbe eine stärkere Tendenz zum 4-3-3. Diese Aufstellung wurde schon etliche Male in der Schlussphase verwendet, ist also vielleicht sogar eingespielt und würde von den Fans nicht als "verhasste Umstellung" abgestempelt.
Das 4-5-1 gilt als "Optimalformation" gegen Barca, da man den Bewegungsvorteil umdrehen kann. Mit ihm konnte zB auch Milan ihr Hinspiel deutlich 3:0 gewinnen.
Gustavo als halbrechter Sechser könnte außerdem ein großartiger individueller Kniff sein. In der letzten Saison attakierte er oft Gegenspieler im Rücken Schweinsteigers, im halblinken Raum, mit Dynamik und seinem starken linken Fuß. Ich kann mir gut Vorstellen, dass er eine gute Waffe im Rückwärtspressen Messis darstellen könnte.

Das 4-3-3 Pressing im Speziellen
Meine Wahl fällt also auf 4-3-3 als Variation des 4-2-3-1 mit Schweisteiger als höchstem Sechser.
Die Sonderbewachung Busquets sollte mehr oder weniger beibehalten bleiben; anfangs orientiert sich der Stürmer, also Gomez oder Pizarro, an ihm und  stellt ihn in seinen Deckungsschatten. Die Aussenstürmer stehen leicht eingerückt, besonders um in den Halbräumen in Zweikämpfe zu kommen. In diese rücken außerdem die Sechser auf, Schweinsteiger aus einer mittig schon höheren Position, Martinez vertikal in den halblinken, während Gustavo tendenziell eher absichernd agiert.

 
das 4-3-3 mit Gustavo-Martinez-Schweinsteiger


Nicht von Alba locken lassen!
Jordi Alba könnte eine entscheidende Rolle im Umspielen des bayrischen Pressings inne haben. Wie schon erwähnt pendelt er halblinks diagonal zwichen Dreierkette und Viererkette. Würde der Rechtsaußen (Müller oder Robben) ihn beim Zurückpendeln verfolgen, presste man vorne zu zweit gegen eine Dreierkette. Das gilt als perfekte Stellung für die aufbauende Mannschaft. In diesen Situationen sollte der bayrische Rechtsaußen sich also eingerückt in die Mitte begeben, um die Kompaktheit zu bewahren. Stößt Alba allerdings nach vorne, muss er ihn mehr oder weniger mannorientiert verfolgen.
Wenn also an vorderster Front durchgehend nur ein Stürmer presst und die Außenstürmer eingerückt bleiben, wird Alba als tieferer der beiden Außenverteidiger als breite Anspielstation genutzt werden, um die Bayern nach außen zu strecken. Auch hier sollte man dem Ruf nicht zu hastig folgen, sondern nur in besonderen Situationen kompakt rüberschieben.

Alves frühzeitig übergeben!
Ribery wird wohl links spielen müssen. Warum müssen? Weil es seine angestammte Position ist, im Kontext des Spiels aber suboptimal.
Ribery ist wohl der wichtigste Kopf der Kreativabteilung des FCB. Als schematischer Gegenspieler Alves käme ihm aber dessen Deckung auf die Karte. Das bedeutetet ermüdende Wege nach hinten und ein recht großer Abstand zum Tor im Umschaltmoment und dem Ball.
Außerdem wäre man, würde man Alves komplett mannorientiert verfolgen, in letzter Kette in einem 5 gegen 3 (Viererkette+Linksaußen gegen Alves-Villa-Pedro), was Unterzahlen auf dem restlichen Platz bedeutet.
Je nachdem wie hoch das Ganze abläuft und wie gestreckt die Kette danach ist, ist es recht riskant - aber hey?



Relativierung und Tipp
Das wäre also mein Tipp an Herrn Heynckes, wie man Barcelona pressen könnte (ja, einer der 10 Klicks ist von Jupp!).
In seiner Aufstellung muss er aber noch viele andere Variablen berücksichtigen; das Offensivspiel wurde hier ja noch garnicht betrachtet. So wird es sehr wichtig für Bayern sein, die eigenen Ballbesitztphasen lang zu gestalten und von dort aus hochwertige Chancen zu produzieren. Wenn sie viele Bälle haben, wird die bayrische Offensive garantiert gegen Barcas schwächelnde Abwehr Stiche machen!
Ich ganz persönlich glaube, dass Barca in der diesjährigen Saison etwas am Abstieg ist, während Bayern wohl im Hoch des Jahrzenhnts steht. Musste ich wetten, setzte ich auf den FCB. Ähm.. Bayern ;)

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